Schon Karl May inspirierte die wilde Hochgebirgslandschaft des Balkans. Sein Held Kara Ben Nemsi verfolgte den Schut und sein Gefolge “Durch das Land der Skipetaren”. Unsere Jagd galt nicht vermeintlichen Schurken, sondern eindrucksvollen Fotos, in reizvollen Landschaften, die noch weitgehend vom Massentourismus verschont sind und Städten, die nicht auf der Anflugliste der Billigflieger stehen. (von Matthias Krüttgen)
Zehn Nationen galt es in zwanzig Tagen zu durchqueren; Ausgangspunkt der Reise - Hamburg, das Ziel - die griechische Insel Korfu, dazwischen 3.000 km in einem ausgemusterten Taxi. Unsere Reisegruppe bestand aus vier Erwachsenen und meinem kleinen Hund. Die Ausrüstung: die seinerzeit brandneue Olympus E-P1 im Doubel Lens Kit mit dem M. ZUIKO DIGITAL ED 14-42 mm 1:3,6-5,6 und dem kleinen flachen M. ZUIKO DIGITAL 17 mm 1:2,8 Pancake Objektiv. Für die Nacht und für Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen hatten wir ein Jobo Gorillapod Zoom im Reisegepäck. Ist diese leichte und reisegepäcktaugliche Fotoausrüstung unterwegs eine adäquate Alternative zur digitalen Spiegelreflexausrüstung?
Foto: Wanderweg Nationalpark Plitvicer Seen.
Im Nationalpark Plitvicer Seen, nach knapp 20 Stunden Fahrzeit durch Deutschland, Österreich und Slovenien, begann unser Abenteuer auf dem Balkan irgendwie tatsächlich mit Karl May. Die Seenlandschaft, weiße Kalksteinfelsen und die saftig grüne Natur des Nationalparks Plitvicer Seen boten in den 1960er Jahren eindrucksvolle Kulissen für die Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker. Die Umgebung des kroatischen Parks bildet eine eher unspektakuläre Mittelgebirgslandschaft. Von außen lässt kaum etwas auf den Schatz, das überwiegend von Naturbarrieren geschützte Nationalparksgelände, schließen. Der Eintritt ist kostenpflichtig. Gleich nach der Entrichtung des Obolus wird man jedoch mit einem atemberaubenden Blick über einen Teil der insgesamt 16 kaskadenförmig angeordneten Seen und auf den Veliki Slap, den Großen Wasserfall, belohnt.
Foto: Kroatische Küstenlandschaft bei Sibenik.
Hinabgestiegen zum unteren See, kann man seinen Weg an den Ufern, über das kristallklare Wasser überspannende Holzstege, durch lichte Wälder oder, auf den größeren Seen, mit umweltfreundlichen und geräuschlosen Elektrobooten fortsetzen. Nicht nur wegen des Lichtes lohnt es, morgens früh gleich nach der Öffnung im Park zu sein. Bei einer knappen Million Besucher jährlich entsteht spätestens zur Mittagszeit, trotz der Weitläufigkeit, ein Gedränge, das ernsthaftes Fotografieren unmöglich macht. Kaum zu glauben, dass es hier noch Wolfsrudel und frei lebende Braunbären gibt.
Kroatische Küste
Die kroatische Adriaküste bietet Strandenthusiasten nur wenig. Das tiefblaue Wasser und die zerklüfteten Buchten, sowie die vorgelagerte Inselwelt sind jedoch aus Fotografensicht deutlich attraktiver als überfüllte Sandstrände. Auf der mittlerweile sehr gut ausgebauten Küstenstraße, von Norden kommend, über Zadar, Sibenik, Trogir und Split machte die Fahrt in unserem komfortablen klimatisierten Taxi unglaubliche Freude.
Foto: Kroatische Küste bei Makarska.
Die fast baumlose felsige Insel Pag liegt wie ein riesiger Kieselstein vor der Küste Mittelkroatiens. In Richtung Süden nimmt die Vegetation langsam zu und die vorgelagerten Inseln sind oft dicht bewaldet. Von Zeit zu Zeit hielten wir an, um die Aussicht zu genießen. Als die Sonne im Rückspiegel hinter dem Horizont verschwunden war, suchten wir uns in der Nähe von Makarska, am Berghang hoch über dem Meer, eine Bleibe für die Nacht.
Am folgenden Tag sollte es früh weitergehen. Dubrovnik, die Perle der Adria, stand auf dem Programm. Bald nach der Abfahrt stießen wir auf ein seltsames Relikt der Balkankriege, einen schmalen, nahezu unbedeutenden Küstenabschnitt, der als freier Zugang zum Meer zu Bosnien-Herzegovina gehört. Vier Passkontrollen sind bei der Durchquerung obligatorisch.
Foto: Franjo-Tudman-Brücke und Hafen Dubrovnik.
Erfreulicherweise hatte es sich mein Hund unter einer Decke bequem gemacht und fiel dem Zollpersonal nicht auf. Dies war insofern angenehm, als dass sich vor der Abreise, trotz intensiver Bemühungen, die Ein- und Ausreisekonditionen diverser Balkanländer für Haustiere nicht ermitteln ließen. Vom Parkplatz an der Nationalstraße D8, direkt vor der Franjo-Tudan-Brücke hat man eine wundervolle Aussicht auf den Hafen von Dubrovnik. Fast immer liegen dort einige große Kreuzfahrschiffe vor Anker. Eine gewaltige weiß leuchtende Schrägseilbrücke überspannt die Flussmündung des Ombla und liegt gut im Blickfeld. Der Fotostopp ist hier ein Muss.
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