Weiß, alles weiß, Himmel, Hallig, Watt und Meer, kein unterschied ließ sich beim ersten Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen ausmachen. Nach einem ausgiebigen Frühstück war eine erste Erkundung der näheren Umgebung geplant. Windstille und leichter Schneefall, kein Geräusch, Himmel und Erde verschmolzen am Horizont zu diesem unendlichen Weiß. Für den reizüberfluteten Großstädter ist dies schon fast ein gespenstisches Szenario.
Der Plan war, von dieser kleinen Reise beeindruckende Winterfotos mit nach Hause zu nehmen – aber da war nichts, und so schleppte ich meine Kamera gut verpackt zunächst etwas planlos über Eisflächen und Schneewehen. Kein Baum, kein Strauch, die Gräben und Priele zugeweht, ab und an ein Zaun, der wohl das Vieh im Sommer von allzu großen Ausflügen abhalten soll. Sicherlich ließe sicher dieser Umgebung emotional etwas abgewinnen, aus fotografischer Sicht jedoch fiel es mir sehr schwer dies umzusetzen.
Am nächsten Tag entspannte sich die Situation nicht. Über Nacht waren 15 cm Neuschnee gefallen, es blies ein eisiger Wind und stellenweise türmten sich bei anhaltendem Schneefall weitere Verwehungen auf. Mein kleiner Hund versank regelmäßig bis zum Bauch im kalten Weiß und verlieh seinem Unmut darüber Ausdruck. Der perfekte Tag für heiße Schokolade und Friesentorte, gerne auch zwei Stücke, entschlossen wir.
Biikebrennen, ein Volksfest auf den nordfriesischen Inseln und Halligen hat seinen Ursprung wohl schon in heidnischer Zeit. Das Feuer sollte böse Geister vertreiben und die neue Saat schützen. Es ersetzt hier im hohen Norden das verbreitete Osterfeuer. In späterer Zeit wurden an diesem Tag, die Walfänger verabschiedet. Es findet alljährlich am Vorabend des Petritages, dem 21. Februar statt. Petrus war es dann wohl auch, der endlich ein Einsehen hatte. Die Sonne strahlte viele Stunden vom blauen Himmel und eine fantastische Schnee und Eislandschaft glitzerte im hellen Licht.
Wir nutzten die Gunst des Wetters, einmal die ganze Hallig auf dem flachen Sommerdeich zu umrunden, sogar ein paar Minuten auf einer Bank im Sonnenschein zu verweilen und den Blick über die im Watt liegenden mächtigen Eisschollen schweifen zu lassen. Man konnte den Eindruck gewinnen auf einem anderen Planeten zu sein, so unwirklich erschienen diese meterdicken Eistrümmer. Am Abend versammelten sich die Halligbewohner und Feriengäste auf der Südspitze der Hallig.





März 7th, 2010 at 3:32 pm
Schick, schick, schick & Neid!
März 11th, 2010 at 6:58 pm
Das sind wirklich tolle Fotos! Von wegen, nix zu sehen…
Hoffentlich sehen wir noch mehr Reiseberichte von dem einfühlsamen Autor und Fotografen!