Nach Panasonic (Lumix G1 und GH1) bietet seit kurzer Zeit auch Olympus ein Kameramodell mit Micro Four Thirds-Standard an. Unsere Redaktion hat die handliche Olympus Pen E-P1 einem kurzen Praxistest unterzogen, wobei ein Modell aus der Serie zum Einsatz kam, welches wir selber gekauft haben. Ein Testgerät von Olympus haben wir bis Dato nicht erhalten, vermutlich werden wir auf der Warteliste für Testgeräte, auf die man uns bereits vor einiger Zeit gesetzt hat, unter ferner liefen geführt.
Olympus will mit der E-P1 an die Tradition der PEN Halbformat Spiegelreflexkameras der 1960er Jahre aus eigenem Hause anknüpfen. Tragbar wie ein Kompakte, die Bildqualität einer Spiegelreflexkamera, ein intuitives Bedienkonzept sowie flexible Erweiterungsmöglichkeiten und dies alles auf dem aktuellen Stand der Technik, HD Videofunktion und Art-Filter inklusive.
Mit geringen Abmessungen von 121×70x35mm und einem Gewicht von 335g liegt die PEN E-P1 satt in der Hand. Der Body mit seiner glatten Metalloberfläche macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Eine Belederung sorgt für Griffsicherheit. Die Bedientasten sind übersichtlich angeordnet und liegen dort, wo man sie als erfahrener Fotograf erwartet. Sie haben einen exakten Druckpunkt und auch die beiden mit dem Daumen zu bedienenden Einstellräder geben keinen Anlass zur Kritik.
Das verbaute 3Zoll Display ist bei Tageslicht gut ablesbar, könnte jedoch mit einer höheren Auflösung glänzen. Nach einem optischen Sucher oder einem integrierten Blitz indes sucht man bei der E-P1 vergeblich, beides dürfte den kompakten Abmessungen zum Opfer gefallen sein. Über einen Blitzschuh lässt sich jedoch beides optional adaptieren, nur beides gemeinsam geht nicht. Das M.ZUIKO DIGITAL 14-42mm f1:3.5-5.6, ist im Transportzustand mit einer Tiefe von nur 43,5 mm sehr kompakt. Bevor es in Aktion treten kann muss es mit einem Unlock-Schalter in Arbeitspositon gebracht werden und verlängert sich auf etwa die doppelte Länge. Als Alternative bietet Olympus derzeit ein 17mm Pancake Objektiv an. Weitere Optiken sollen folgen. Die recht bescheidene Lichtstärke des Kit-Zooms lässt sich aufgrund des kamerainternen Bildstabilisators verschmerzen. Das „Plastikfeeling“ der ultrakompakten Optik steht jedoch im krassen Gegensatz zum hochwertigen Kamerabody.
„Alte“ Four Fhirds Objektive lassen sich mittels des MMF-1 Adapters bei eingeschränkter Fokusfunktionalitat an die E-P1 adaptieren. Gänzlich auf den Autofokus muss man bei Olympus OM-Ojektiven verzichten, die sich mittels des MF-2 OM Adapter anschrauben lassen. Eine genaue manuelle Fokussierung ist jedoch durch eine 7 oder 10-fach Lupe auf dem Display gewährleistet. Fotos und Videodateien legt die OLYMPUS E-P1 auf SDHC Speicherkarten ab. Dies ist ein Novum, bisher setzte Olympus auf die selbstentwickelte xD-Picture Card. Dem Verbraucher soll´s recht sein, sind die SDHC Karten doch deutlich günstiger zu haben.
Aufnahme links mit Art-Filter “Pop-Art”.
Und in der Praxis?
Bei Streifzügen durch die Hamburger City und bei einem Ausflug ins Teufelsmoor, nördlich von Bremen, konnten wir die Kamera auf ihre Praxistauglichkeit prüfen. Zunächst einmal fehlt dem ambitionierten Spiegelreflexfotografen der Sucher. Immer wieder habe ich mir die Kamera instinktiv gegen meine Sehhilfe gehauen um dann – nichts – zu sehen. Das Display indes, wartet, hat man sich erst einmal daran gewöhnt, mit diversen Bonbons, in Form von einblendbaren Hilfsgittern, akkurater Anzeige des zu erwartenden Bildergebnisses und sogar mit einer elektronischen Wasserwaage auf, welche insbesondere, aber nicht nur, beim Einsatz auf einem Stativ wertvolle Dienste leistet.
Die Belichtungsmessung arbeitet im Allgemeinen punktgenau. Randabschattung und farbige Ränder waren bei unseren Aufnahmen mit dem Olympus Kit-Objektiv kein Thema. Die Verzeichnung im Weitwinkelbereich hält sich in Grenzen und ist bei längeren Brennweiten nicht mehr sichtbar. Der gewöhnugsbedürftig pumpende Autofokus arbeitet mäßig schnell, Schnappschüsse sind nur bedingt möglich. Sehr gut hat uns die iAuto Option in diesem Zusammenhang gefallen, bei der die Kamera die Motovsituation automatisch zu erkennen versucht und was meist auch gut funktioniert. Auch die automatische Gesichtserkennung arbeitet zuverlässig.
Durch den zentralen Schwerpunkt eignet sich die E-P1 vorzüglich für die Arbeit auf kleinen, leichten Stativen. Leider lassen sich aufgeschraubt weder Akku noch Speicherkarte wechseln. Die Bildqualität liegt auf dem Niveau der digitalen Olympus Spiegelreflexkameras, deutlich besser als die Qualität von Bildern aus Kompaktkameras, jedoch, insbesondere was die Neigung zum Bildrauschen bei höherer ISO Einstellung betrifft, unterhalb der Leitungsfähigkeit aktueller Spiegelreflexkameras mit APS-C oder Vollformatsensor.
Fazit
Man fällt auf mit der Olympus-”PEN”. Selbst der Laie ahnt, dass unter der weiß oder silbern glänzenden Schale, die sich für den Tester wohltuend vom schwarzen Kameraeinerlei abhebt, etwas Besonderes steckt. Die kompakten Abmessungen und die gute Bildqualität prädestinieren die E-P1 zu einer attraktiven Reisekamera, die allerdings auch einen recht hohen Preis hat und bei der der Spiegelreflexfotograf auf den gewohnten Sucher und die Haptik einer D-SLR verzichten muss. Wer von einer Kompakten auf die E-P1 wechselt, wird sicher qualitativ einen Schritt voran tun. (Text und Fotos: Matthias Krüttgen)
Update 13.07.09: Wir bieten Ihnen zwei Testfotos zum Download an, diese können Sie HIER herunterladen (ZIP-Datei ca. 12MB).
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