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trinkende-kuhe-am-baikalsee.jpgKameratechnik im Praxiseinsatz

Meine Olympus E420 war im Dauereinsatz und musste das Spektrum ihre Fähigkeiten beweisen. Am Durchhaltevermögen der Akkus gibt es nichts zu beanstanden, nur ganz selten musste ich im Verlauf einer ausgedehnten Fototour einen Wechsel vornehmen. Die kleinen handlichen Objektive lassen sich zügig wechseln. Bei umsichtiger Handhabung kaum eine Chance für Staub, in das offene Kameragehäuse zu gelangen. Sollte dies doch einmal passiert sein, so hat die vorzügliche automatische Sensorreinigung von Olympus das Problem im Griff. Auf keinem der vielen geschossenen Fotos habe ich zu Hause, durch Staubablagerungen verursachte, Flecken gefunden. Die Bedienung der Kamera erfolgt intuitiv, sofern man grundsätzlich mit den Funktionen Moderner Spiegelreflexkameras vertraut ist. Auf ein separates Statusdisplay muss man bei dieser günstigen Kamera leider verzichten, jedoch gewöhnt man sich recht schnell an die übersichtliche Darstellung der eingestellten Parameter auf dem gut ablesbaren LCD Monitor.

holzerner-beiwagen.jpgMittels der etwas zu klein geratenen Bedientasten auf der Rückseite der Kamera kann man gleich zu den angezeigten Einstellungen navigieren und diese mit Druck auf die mittige „OK“ Taste verändern ohne sich erst umständlich durch Menüs hangeln zu müssen. Die E420 bietet halb- und vollautomatische Aufnahmefunktion, sowie 20 Motivprogramme, die für Anfänger sicherlich ein gute Unterstützung sind. Als großer Fan von Aufnahmen mit vorhandenem Licht, habe ich den eingebauten Blitz lediglich ab und an zur Motivaufhellung bei Gegenlichtaufnahmen benutzt. Hierbei wurde er seiner Aufgabe durchaus gerecht. Kurzum, der kleinen Olympus mangelt es an nichts. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch die mechanische Qualität. Wohlbehütet war die Kamera auf der langen Reise nie. Mal im Rucksack, mal im Day Pack, geschultert, verschüttet unter Gepäckbergen, um den Hals hängend, in der Jackentasche oder locker am Handgelenk baumelnd, viele kleine Stöße und manches Anecken hat die Kamera klaglos verziehen, ebenso den einen oder anderen leichten Regenguss.

port-baikal.jpgDie Tage auf der Baikalinsel vergingen dann doch wie im Flug. Eine Mountenbike Tour über den Bergrücken an das Ostufer der Insel über sanfte unbewaldete Hügel auf der einen und durch dichte Birkenwälder auf der anderen Inselseite bescherten mir wundervolle Landschaftsmotive und eine Fülle kleiner Naturdetails, die ich, dank der kurzen Naheinstellgrenze der Set-Objektive, prima auf dem Sensor bannen konnte. Bei einem Bootsausflug zum 40 km entfernten Kap Choboi, der Nordspitze der Insel, zeigte sich das Wetter von seiner stürmischen Seite. Der Skipper reichte Fischsuppe, da ich jedoch nicht hundertprozentig seefest bin, beließ ich es bei einem heißen Tee. Im Norden angekommen, hatte sich das Wetter beruhigt. Das Wasser schimmerte dunkelblau und die roten Felsen der Steilküste, durchzogen von weißen haushohen Quarzadern hoben sich perfekt vor dem blauen Himmel ab. Die marode Hafenanlage von Chuschir, mit ihren gestrandeten alten Fischerbooten und der ausgebrannten Fischfabrik im Hintergrund zeugen vom wirtschaftlichen Niedergang des Ortes, sind jedoch zu jeder Tageszeit lohnende Fotomotive. Breite staubige, zuweilen schlammige Straßen, durchziehen den Ort.

chuschir.jpgAn fast jedem der hölzernen Wohnhäuser findet man skurrile Details, kunstvoll geschnitzte Holzfenster, farbenfrohe Zäune und prächtiger Blumenschmuck in den Vorgärten. Halbwilde Hunde liegen träge in der Mittagssonne, oftmals queren freilaufende Kühe die Dorfstraße und trotten zum Trinken an den Strand. Motoradgespanne mit hölzernen Beiwagen, bunt bemalte Omnibusse, Tanklaster aus den 50er Jahren des vergangen Jahrhunderts, die wenigen motorisierten Fahrzeuge auf der Insel ziehen den Blick auf sich. Die bekannteste Sehenswürdigkeit der Insel jedoch ist der Schamanenfels unweit des Camps. Der markante, weit in den See reichende, Felsen wird seit Jahrhunderten als Heiligtum verehrt. Nach schamanistischem Glauben wohnt hier ein böser Geist. Nur Schamanen ist es erlaubt, zu rituellen Zwecken diesen Stein zu besteigen. In vergangen Zeiten verbanden vorbeikommende Reiter ihren Pferden die Hufe, um die Ruhe des Geistes nicht zu stören und ihn nicht zu erzürnen. In respektablem Abstand zum Felsen befinden sich Opferpfähle. Kleine Opfergaben, Geld, Zigaretten, Wodka aber auch Sonnenbrillen, Baseballmützen, Schraubenzieher und gar Kondome, sollen den Geist gütig stimmen. Ob aus Unwissenheit oder Ignoranz, für viele Touristen ist dieses alte Heiligtum lediglich eine attraktive Klettergelegenheit – sehr schade, wie ich finde.

opferpfahle.jpgWenn es Abend wird auf Olchon und die Sonne im Westen hinter dem Baikalgebirge untergeht, dann wird es still, ganz still. Von den letzten Sonnenstrahlen gestreichelt wird der Schamanenfels tatsächlich zum magischen Ort. Der See leuchtet purpur, türkis und lila und Menschen, die aus vielen Teilen der Welt hierher gekommen sind, schauen sprachlos zu. Fast ist es zu schade, in diesen Augenblicken in hecktische fotografische Aktivität zu verfallen, aber ein paar Erinnerungsfotos mussten dann doch sein. Der überwältigende Anblick reizte mich, das Rohmaterial für einige sehr schöne DRI- und Panoramafotos aufzunehmen.

Teil 1 “Russland Four-Thirds - Mit der Olympus E420 von Moskau durch Sibirien nach Wladiwostok” finden Sie HIER.

Teil 2 “Russland Four-Thirds - Mit der Olympus E420 von Moskau durch Sibirien nach Wladiwostok” finden Sie HIER.


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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Sim:

    Sljudjanka (Слюдянка) liegt an der südwestlichen, nicht südöstlichen Spitze des Baikalsees :-)

  2. Matthias Krüttgen:

    …aufmerksam gelesen, Sie haben recht - vielen Dank für den Hinweis

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