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industrie-und-verkehr-in-krasnojarsk.jpgMit knapp einer Million Einwohnern ist Krasnojarsk die drittgrößte Stadt Sibiriens. Zwei Tage, drei Nächte und 4100 Schienenkilometer von Moskau entfernt liegt die Metropole im Herzen Sibiriens. Nein, malerisch sieht anders aus. Von unserem, noch deutlich mit sowjetischem Charme behafteten, Hotel am linken Ufer des Jenissei schweift der Blick über ausgedehnte Industrieareale auf der anderen Seite des Flusses. Rund um die Uhr fließt ein nicht abreißender Fahrzeugstrom über die vierspurige Straßenbrücke in die Stadt. Krasnojarsk scheint im Verkehrschaos zu ersticken. Eine seit 1986 im Bau befindliche U-Bahn verheißt Besserung, aber zunächst einmal bleibt dicke Luft und dichter Verkehr angesagt. Trotzdem, während unseres kurzen Aufenthaltes zeigte sich die Stadt auch von ihrer angenehmen Seite. Noch einige der prachtvollen sibirischen Holzhäuser aus dem beginnenden 19. Jahrhundert stehen im Stadtzentrum. Neuere Bauwerke mit fast italienisch anmutender Architektur datieren wohl auf die vorletzte Jahrhundertwende. Seit ein paar Jahren zieren auffallend viele Brunnen die Stadt und ein Spaziergang über den „Prospekt Mira“, der Einkaufsstraße, lohnt ebenfalls.

krasnojarsk-am-abend.jpgVom Einbruch der Dunkelheit bis in die frühen Morgenstunden herrscht in der kurzen Sommersaison zwischen den Springbrunnen vor der Oper und dem Ufer des Jenissei ein buntes Treiben. Meist jugendliche Russen treffen sich hier zum klönen, lauschen Straßenmusikern oder trinken Bier aus Dosen. Um diese Stimmung einzufangen kam zum ersten Mal das mitgebrachte Stativ zum Einsatz. Das Slik Sprint Mini GM passt mit seinem 36 cm Packmaß und einem Gewicht von 740g Prima in den Reiserucksack und auch in jeden Day-Pack. Wenn nicht gerade ein langes Teleobjektiv montiert ist, reicht die Stabilität sogar für meine Nikon D300. Bei der Bedienbarkeit des kleinen Kugelkopfes, sowie bei der maximalen Arbeitshöhe jedoch, muss man den kompakten Abmessungen Tribut zollen. Gut, wenn man sich mit der Bedienung seiner Kamera und den Features vor einer Reise schon eingehend beschäftigt hat. Auf das Stativ montiert lassen sich mit Selbstauslöser und der Spiegelvorauslösung (im Kameramenue Anti-Schock genannt) bei niedriger ISO Einstellung mit der E420 perfekte, verwacklungsfreie und rauscharme Nachtaufnahmen anfertigen.

birjussa.jpgNur eine Nacht dauerte die Zugfahrt bis zum nächsten Zielbahnhof Taischet. Beim ersten Morgentee aus dem Samowar des Nachtzuges beobachteten wir einen prachtvollen Sonnenaufgang über der dunstigen Taiga, die Belohnung für das frühe Verlassen der Schlafkoje. Am Bahnhof erwartete uns Schenja, ein freundlicher, hagerer, hoch gewachsener Russe mit goldenen Schneidezähnen. Mehr als 100 Jahre nach Fertigstellung der transsibirischen Eisenbahntrasse wurde im Jahr 2008 auch eine durchgehende Straßenverbindung zwischen Moskau und Wladiwostok eröffnet. Auf einem kurzen Abschnitt dieser Straße chauffierte unser russischer Gastgeber in sein Heimatdorf Birjussa am gleichnamigen Fluss. Zum ersten Mal auf dieser Reise hatten wir ein wenig den Eindruck, die Zivilisation hinter uns zu lassen. Unbefestigte Straßen, kleine Holzhäuser landschaftstypischer farbenfroher bemalt mit kunstvollen Verzierungen, dazwischen Gärten mit Kartoffeln, Kohl, Rote Beete und Dill – den einzigen Nutzpflanzen, die in der kurzen sibirischen Vegetationsperiode in größerem Umfang angebaut werden können.

sibirische-waschgelegenheit.jpgEin gefühlter Zeitsprung von 100 Jahren, hätten wir nicht eben noch in einem geräumigen Van aus japanischer Produktion gesessen. Unsere Unterkunft war bescheiden aber schmuck. In Birjussa gibt es elektrischen Strom (was in vielen sibirischen Dörfern nicht selbstverständlich ist), eine öffentliche Wasserversorgung jedoch nicht. Brauchwasser holt man aus dem Fluss, Trinkwasser spendet der Hauseigene Brunnen im Garten. Ein Waschbecken, ebenfalls im Garten und die hauseigene Banja dienen der täglichen Körperhygiene. Etwas abseits am Kartoffelfeld befindet sich das in Sibirien übliche Plumpsklo in einem kleinen Holzhäuschen. Für verwöhnte Mitteleuropäer eine nicht gerade üppige sanitäre Ausstattung, die besonders nachts ihre Tücken offenbart.

picknick-in-der-taiga.jpgAm Nachmittag wurden wir zum Picknick in der Taiga eingeladen. Auf einem mit Außenbordmotor betriebenen Aluminiumkahn folgten wir eine knappe Stunde dem Flusslauf der Birjussa zu einem versteckten Lagerplatz. Ein herrlicher Flecken Erde, etwas oberhalb des Flusses, von Birken umstanden inmitten hüfthoher blühender Kräuter und Blumen. Schenja entfachte ein Lagerfeuer und kochte aus frisch gepflückten Kräutern und mitgebrachtem Schwarztee ein Getränk, das gesüßt mit einer Beerenmarmelade sehr wohlschmeckend war. Seine Frau Lena bereitete derweil aus Roten Beeten, Zwiebeln Weißkohl, Kartoffeln, und Rindfleisch den russischen Nationaleintopf Borschtsch vor. Salz, Pfeffer und ein Schuss saure Sahne, dazu ein Stück Brot – ebenfalls köstlich.

Den nächsten Tag nutzten wir für einen Spaziergang durch das Dorf. Ein zentraler Platz, Postamt, ein Dorfladen, immer wieder Kartoffelfelder, am Ortsrand ein Kinderheim, Viehhirten treiben eine kleine Kuherde von der Weide in die heimischen Ställe. Eine Flussbrücke, einziger Weg über den ehemals das Nachbardorf erreicht werden konnte wurde bei einer Flut vor mehreren Jahren weggespült, eine neue ließ sich bisher nicht finanzieren. Die idyllischen Fotos, die in Birjussa bei strahlend blauem Himmel entstandenen, täuschen ein wenig über die Armut hinter vielen Fassaden hinweg. Der Abschied von unserer freundlichen Gastfamilie fiel uns etwas schwer. Pünktlich setzte sich am nächsten Abend unseren Nachtzug, in die knapp 700 km entfernte Metropole der Baikalregion Irkutsk in Bewegung. (Text und Fotos Matthias Krüttgen/gh/www.digiklix.de)

Teil 1 “Russland Four-Thirds – Mit der Olympus E420 von Moskau durch Sibirien nach Wladiwostok” finden Sie HIER.


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