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sonnenaufgang-transsib.jpgHaben Sie diesen Traum nicht auch schon einmal geträumt? Einmal im Leben mit der Transsibirischen Eisenbahn um die halbe Welt fahren? Den Stress des Alltags einfach zu Hause lassend, dieses scheinbar unendliche Land zu erkunden? Das pulsierende schrille Moskau erleben? Endlose Stunden aus dem Fenster eines fahrenden Zuges schauend ihre Arbeit vergessen?…(Matthias Krüttgen/gh)

Teil 1 “Russland Four-Thirds - Mit der Olympus E420 von Moskau durch Sibirien nach Wladiwostok” finden Sie HIER.

transsibirische-begegnung.jpgWeiter Weg auf Schienen

Auf der mit 9288 km längsten durchgehenden Eisenbahnstrecke der Welt sind rund um die Uhr unzählige Züge zwischen den 396 Bahnhöfen unterwegs und befahren mehr oder weniger lange Streckenabschnitte. Das Zugpaar 1 in der Ost-West Richtung und 2 in der umgekehrten Richtung jedoch, fahren die gesamte legendäre Eisenbahnstrecke ohne die Notwendigkeit eines Zugwechsels. Jeweils an ungraden Tagen verlässt ein Zug mit der Nr. 2 Moskau und erreicht den Pazifik 8 Tage später. Am Abend des dritten Reisetages war es dann endlich soweit. Nachdem eine freundliche Zugbegleiterin die Fahrscheine beim Einsteigen kontrolliert und uns unsere beiden Abteile gezeigt hatte, setzte sich Zug Nr. 2 „Россия“ (Russland) langsam in Bewegung. Es war ein großartiger Augenblick. Im Zeitalter der Billig-Airlines ist uns als Reisenden das Gefühl von Weite fast abhanden gekommen. Auf dieser Reise sollte es anders sein, ich wollte die Weite des Landes Meter für Meter spüren.

wartungsarbeiten-auf-der-strecke.jpgAus fotografischer Sicht legte sich die Euphorie recht schnell. Russische Fernreisezüge sind klimatisiert und kein Fenster lässt sich öffnen. Beim Fotografieren aus dem Abteil muss man mit Reflektionen an den meist schmutzigen Fensterscheiben kämpfen und wie sich schnell herausstellte, war die Reisegeschwindigkeit von 80-100 Stundenkilometern in den meisten Situationen zu schnell, um scharfe Fotos zu schießen. Etwas tröstlich in der Situation war, dass die westsibirische Taiga ohnehin kaum würdige Fotomotive liefert. Schnurgerade verläuft die Breitspurtrasse über viele hundert Kilometer durch sumpfige Birkenwälder. Gras, Bäume und eine Menge Nichts. Das mit Spannung erwartete Uralmassiv, die Grenze zwischen Europa und Asien, entzauberte sich dann auch nur als Hügelkette, die die Transsib in einer unspektakulären Höhe von gut 400 Metern überquert. Lediglich ein Obelisk bei Kilometer 1777 markiert die Grenze zwischen den Kontinenten.

aus-der-hufte-handel-auf-dem-bahnsteig.jpgSo ist die fotografische Aktivität auf die wenigen längeren Stopps des Zuges beschränkt. Auf unserer ersten Etappe von Moskau nach Krasnojarsk heißen diese Stopps Perm, Jekaterinburg, Omsk und Nowosibirsk. Zwischen 3 und 20 Minuten dauert ein solcher Stopp. Passagiere steigen ein und aus, das Personal wird gewechselt, Proviant und Wasser werden aufgefüllt und das Fahrgestell des Zuges von Mechanikern mit kleinen Hämmerchen und Infrarottermometern in Augenschein genommen. Fliegende Händler breiten ihr Warenangebot auf den Bahnsteigen aus. Lebensmittel und Gertränke, Toilettenartikel, Souvenirs. Grotesk sieht es aus, wenn jemand bei sengender Sommerhitze Fellmützen und Pelzstiefel feil bietet – doch wir sind in Sibirien, der Sommer ist kurz und der Winter kalt und dauert ewig. Da ich mich auch selbst mit der einen oder anderen Köstlichkeit versorgen wollte, waren die Fotoausflüge sehr kurz. Ab und an kam dennoch das 25mm Normalobjektiv (Pancake) zum Einsatz, um das bunten Treiben auf den Bahnsteigen festzuhalten, liefert es doch, mit seinem der menschlichen Wahrnehmung entsprechendem Blickwinkel authentische Fotos.

transsib-nachts.jpgIm normalen Fotoalltag hält sich meine Begeisterung für die Automatikfunktionen von Digitalkameras in Grenzen, bei dem gegebenen Zeitdruck jedoch war es das Mittel der Wahl. Bei kritischen Motiven habe ich zwei- oder dreimal auf den Auslöser gedrückt um die Trefferquote zu maximieren. Ich kann der Olympus E420 in dieser Disziplin eine gute Note bescheinigen. Der Autofokus ist treffsicher und die Belichtung stimmt meist auf den Punkt. Mit dem kleinen, leisen Pankace-Objektiv lassen sich im Bedarfsfall schnell und unauffällig “Aufnahmen aus der Hüfte“ schießen. Offensichtlich misslungene Fotos habe ich dann auf der Weiterfahrt gleich gelöscht um Speicherplatz zu sparen. Problematisch sind Fahrtunterbrechungen im Dunkeln, zwar sind die Bahnhöfe meist sehr gut ausgeleuchtet, jedoch reicht das Licht für Freihandaufnahmen nie aus. Der Plan, das mitgenommene Stativ aufzubauen war mangels Zeit und im Hinblick auf die Verkehrssicherheit auf den engen Bahnsteigen zum scheitern verurteilt. In diesen Fällen habe ich die ISO Empfindlichkeit der Kamera auf ISO 400 (brauchbare Ergebnisse) oder bei Bedarf auf ISO 800 (erträgliche Ergebnisse) hochgeschraubt und die Kamera an einem festen Gegenstand abgestützt oder aufgelegt. Einige stimmungsvolle Reiseerinnerungen sind so entstanden.


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