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roter-platz.jpgEine andere Überschrift zu diesem Reisebericht könnte auch lauten “Von alten Träumen und tragbaren Kompromissen”. Haben Sie diesen Traum nicht auch schon einmal geträumt? Einmal im Leben mit der Transsibirischen Eisenbahn um die halbe Welt fahren? Den Stress des Alltags einfach zu Hause lassend, dieses scheinbar unendliche Land zu erkunden? Das pulsierende schrille Moskau erleben? Endlose Stunden aus dem Fenster eines fahrenden Zuges schauend ihre Arbeit vergessen?… (Matthias Krüttgen/gh)

…Bei ohrenbetäubender Stille am Baikalsee wieder das eigene Ich finden? Unbekannte Millionstädte jenseits des Ural zu entdecken und dann endlich am Ziel ihres Traumes den Blick am Goldenen Horn über den Pazifik schweifen zu lassen? moskwa-mit-stalin-hochhaus.jpgIn der Phantasie habe ich diese Reise schon 1000 Mal gemacht – aber in diesem Sommer war es an der Zeit es wirklich zu tun. Zwei Semester russisch an der Volkshochschule sollten mich im Gespräch nicht gar so dumm dastehen lassen und auch die kyrillischen Schriftzeichen lesen zu können stellte sich im russischen Alltag als sehr vorteilhaft heraus. Endlose Stunden der Internet-Recherche waren vergangen. Die Visa lagen in der Schublade, Flüge, Züge und Unterkünfte waren gebucht – dem Sparschwein knurrte der Magen und natürlich war die Fotoausrüstung wohl bedacht zusammengestellt. – Mitte Mai, noch 6 Wochen bis zum Abflug nach Moskau und langsam baute sich diese wohlige Spannung auf, die man vor solch einer Traumreise hat.

moskow-city.jpgVon diversen Zweifeln geplagt werden, gehört sicherlich auch zu solch einer Reise. Wie wird das Wetter, sind die Menschen freundlich, habe ich das richtige Schuhwerk, was passiert wenn ich einen der vielen Züge verpasse, ist meine Fotoausrüstung optimal zusammengestellt? Schließlich soll die fotografische Dokumentation der Reise viele Jahre Grundlage für schöne Erinnerungen sein, zudem möchten die Zurückgebliebenen in der Heimat nach der Reise etwas sehen und das soll wie gewohnt beeindruckend sein.

Ausrüstungscheck und Ausrüstungsschock

Mit auf die Reise sollte meine Nikon D300, samt Nikon AF Nikkor ED 80-200mm f2.8 Telezoom, Sigma EX 24-70mm f2.8 Standartzoom, Tokina AT- X Pro 12-24 mm f4 für beeindruckende Landschaftsaufnahmen und für Available Light Situationen das Nikon AF 50mm f1,4. Unverwackelte Landschaftsaufnahmen und Nachtaufnahmen macht man nur mit einem soliden Stativ. Auf mein altbewährtes, leider etwas unterdimensioniertes aber stabiles und ausgesprochen reisetaugliches Slik Sprint Mini GM Stativ fiel die Wahl. Noch ein paar Ersatzakkus, einen Polfilter, genügend Speicherkarten, einen Kabelauslöser und genügend Speicherkarten in den so beladen doch etwas knappen Crumpler Fotorucksack und los könnte es gehen. Die mit Bedacht zusammengestellte Ausrüstung dürfte zumindest aus technischer Sicht beeindruckende Reiseerinnerungen liefern.

alexander-park.jpgBeim Probepacken, lange bevor die Reise losgehen sollte kamen dann jedoch erste Bedenken. Knapp 6 kg brachte die Fotoausrüstung auf die Wage, rund 1/3 von zulässigen Gesamtgepäck, das Aeroflot seinen Flugpassagieren zugesteht. In Anbetracht der klimatischen Verhältnisse muss man in Sibirien auch im Sommer auf alle möglichen Wetterkapriolen gefasst sein und sich entsprechend kleiden. Außerdem mussten noch Geschenke für russische Gastfamilien, ein Paar Schuhe zum wechseln und diverser Kleinkram, vom Schweizer Taschenmesser über denn Isolierkaffeepott bis hin zur Taschenlampe ins Gepäck für die geplante vierwöchige Reise. Auch die Vorstellung 6kg Fotoausrüstung tagelang durch die sibirische Taiga zu schleppen verursachte Bauchschmerzen. Dazu kam eine diffuse Angst, 5.000 € elektronischer Gerätschaft nachts durch finstere Moskauer Seitenstraßen spazieren zu führen oder versehentlich bei einem Bootsausflug auf dem Baikalsee in eine Tiefe von 1.700m zu versenken. Doch welche Alternative gibt es?

russisches-verteidigungsmin.jpgAlternative gesucht

Reisen mit einer Kompaktkamera kommt für mich nicht in Frage. Zu oft schon habe ich mich über die gruselige Bildqualität diverser Vertreter dieser Kameragattung geärgert. Bildrauschen schon bei moderater ISO Einstellung, deutlich sichtbare Verzeichnungen bei Architekturaufnahmen und eine Auslösungsverzögerung jenseits des Erträglichen sind nur einige der Kritikpunkte. Mit jeder neuen Kompaktkamerageneration hatte ich die Hoffnung, dass dies ein Ende hat. Immer wieder bin ich enttäuscht worden. Schlimmer noch, ich habe den Eindruck, dass der Megapixelwahn der letzten beiden Jahre sogar zu einer allgemeinen Verschlechterung der Bildqualität geführt hat. Reisen mit 2-3 guten Festbrennweiten im Gepäck? Sicherlich eine Alternative – aber sehr schnell taucht dann das Gespenst des für immer und alle Zeiten verpassten Motivs auf, weil grade die falsche Brennweite auf der Kamera montiert war.

Während mich tagelang die Überlegungen quälten fiel mir der Prospekt eines benachbarten Fotohändlers in die Hände: „Die weltweit kompakteste D-SLR“ pries man dort an. Die damals neue Olympus E-420 im Set mit zwei Standartobjektiven und dies zu einem durchaus attraktiven Preis. Schnell rief ich im Internet die verfügbaren Basisinformationen, Testberichte des Vorgängermodells (aktuelle gab es noch nicht) und Vergleichspreise ab. Ein Besuch beim Händler überzeugte mich dann endgültig – das ist meine Russland-Kamera, der tragbare Kompromiss.


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