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digiklix_photokina08_011.jpgAuf der photokina hatten wir die Möglichkeit Fujis Real 3D System in Augenschein zu nehmen. Das System besteht aus einer Stereokamera, die mittels zweier Objektive, Sensoren und Bildprozessoren, Stereofotos nicht nur aufnehmen, sondern diese auch auf dem Display in 3D und ohne Hilfsmittel anzeigen kann. Ein Bilderrahmen der die direkte 3D-Betrachtung erlaubt und ein 3D-Print System, welches handfeste 3D-Bilder liefert, gehören ebenso zum Konzept. Hat das System Zukunft oder ist es, wie vorangegangene Versuche, zum Scheitern verurteilt? Hier unser erster Eindruck des Systems.

Die Versuche die Stereofotografie, also das räumliche Ablichten und Betrachten eines Motivs zu etablieren, können auf eine lange Geschichte zurückblicken. In einer ähnlichen Form, in der Fuji es nun versucht, ist das letzte Unterfangen die Stereofotografie einer breiten Masse zugänglich zu machen, Anfang der 80er Jahre gescheitert. Ein gewisser Dr. Jerry C. Nims wollte die herkömmliche Fotografie mit einem System revolutionieren, dass bei der Betrachtung keinerlei Hilfsmittel wie bspw. eine 3D-Brille erforderlich machte. Er sagte selber: „Unser 3D System, wird die Fotografie, so wie wir sie heute kennen verändern, und zwar von Grund auf. Die Welt ist dreidimensional, wie sehen sie in der dritten Dimension, deshalb wird die Zukunft dem dreidimensionalen Bild gehören.

nimslo_digiklix_de.jpgIm August 1983 wurde die „Nimslo“ getaufte 3D-Kamera vorgestellt. Mit vier Objektiven ausgestattet wurden jeweils vier leicht versetzte Bilder im Halbformat auf einem herkömmlichen Kleinbildfilm aufgenommen. Durch eine spezielle Entwicklung und einer besonderen Oberfläche des Fotopapiers, war es möglich Bilder im so genannten Lentikular-Verfahren so anzufertigen, dass ohne spezielle Hilfsmittel bei der Betrachtung der Bilder (Linsenrasterbilder) ein dreidimensionaler Eindruck entstand. Doch die als Revolution angekündigte Technik floppte sowohl hier zu Lande, als auch weltweit.

Zum einen mussten die Bilder zur Entwicklung zunächst in ein spezielles Nimslo-Labor nach England oder in die USA geschickt werden und zum anderen kostete eines dieser Bilder im Schnitt 3 Deutsche-Mark, was wohl neben der mäßigen Qualität, von nicht optimal auf die Technik abgestimmten und ideal fotografierten Schnappschüssen, der Hauptgrund für das schnelle Scheitern dieses Systems war. Mit der „Nishika N 8000“ kam eine zweite Kamera auf den Markt, die nach dem gleichen Verfahren arbeitete aber ebenfalls genauso schnell vom Markt verschwand wie die Nimslo. Beide Kamera-Modelle sind heute als Schnäppchen, fast neuwertig, in diversen Auktionen oder Gebrauchtmärkten zu bekommen. Es gibt heute noch ein Speziallabor in den USA, welches Linsenrasterbilder herstellt, die mit diesen Kameras aufgenommen werden.

3D-Digital

Soviel zur Geschichte einer Technik, die Fuji mit einer zweiäugigen Stereokamera oder besser gesagt mit einem Gesamtkonzept, dem Finepix Real 3D System, ins Digitalzeitalter überträgt. Fuji will nicht nur die Kamera anbieten, mit der sich 3D-Aufnahmen ganz einfach erstellen und auf deren Display sie sich auch gleich betrachten lassen, sondern auch einen entsprechenden 3D-Bilderrahmen, so wie ein Drucksystem für Stereofotos nach dem Linsenrasterprinzip.

digiklix_photokina08_011.jpgErster Eindruck

Fuji hat das Konzept gut durchdacht und eine Stereokamera gebaut, die gleich alle relevanten Einheiten doppelt zur Verfügung stellt (Objektiv, Sensor, Bildprozessor) und die Betrachtung der 3D-Aufnahmen auf dem Display ohne Hilfsmittel erlaubt.  Ebenso wurde ein digitaler Bilderrahmen konstruiert, der die 3D-Fotos ohne Hilfsmittel anzeigen kann, so wie ein Drucksystem  entwickelt, dass 3D Bilder als handfestes Material ausgibt und ebenfalls ohne Hilfsmittel angesehen werden kann. Auf der photokina waren von der Kamera, so wie vom Bilderrahmen, Prototypen zu begutachten. Ausdrucke waren ebenfalls zu sehen, allerdings keine genauen Informationen darüber in Erfahrung zu bringen, wie das System in der Praxis genau arbeitet- wahrscheinlich muss eine Linsenrasterfolie über die Ausdrucke geklebt werden.

Der Bildeindruck aller drei Komponenten ist im Rahmen der Möglichkeiten gut. Ein 3-Effekt stellt sich auf dem Display der Kamera bei optimalem Betrachtungswinkel ein, die Qualität ist allerdings mäßig. Auch auf dem 3D-Bilderrahmen, bzw. dem gezeigten Display, ist der 3D-Effekt, wie auch auf den Ausdrucken gut zu erkennen, trifft man den richtigen Blickwinkel. Von der Seite ist prinzipbedingt kein 3D- Effekt auszumachen und selbst bei korrektem Betrachtungswinkel werden die Augen angestrengt und es stellt sich nach kurzer Zeit eine “Ermüdungserscheinung” ein, die unscharfes Sehen bzw. Geisterbilder zur Folge hat - ein allgemeines Probleme, mit dem nicht nur 3D-Systeme zu Kämpfen haben, die eine 3D-Betrachtung ohne Hilfsmittel erlauben.

fuji3d.jpgDaran kann Fuji bis zur Marktreife, die für 2009 angestrebt ist, sicher im Rahmen der Möglichkeiten noch etwas Feilen und das System verfeinern. Ein ganz entscheidender Vorteil, der das System nicht unmittelbar in eine Nische drückt, ist allerdings der, dass die Kamera auch im 2D Bereich, bedingt durch die doppelte Auslegung aller Komponenten, mit Besonderheiten aufwarten kann. So ist es bspw. möglich gleichzeitig eine Weitwinkel- und eine Teleaufnahmen eines Motivs einzufangen, ein identisches Bild mit “normaler” und das andere mit einer gefilterten Einstellung abzulichten, oder mit dem einen Objektiv zu Fotografieren und mit dem anderen zu Filmen. Ebenso lässt sich eine Aufnahme, mit der im etwa Augenabstand versetzt angeordneten Objektive, zu einem Panoramabild mit einem hohen Weitwinkelbereich zusammenfügen.

Lobenswert das Fuji sich so risikofreudig zeigt, meinen wir. Diese Entwicklung ist im Gegensatz zu Lächel- Blinzelautomatik und HD-Filmchen mit der Digitalkamera, um nur einige der aktuellen Spielereien zu nennen, wirklich innovativ. Es ist wünschenswert, dass dieses Konzept weiter verfeinert wird und Erfolg hat. Ob dieses System sich am Markt etablieren kann oder in ein paar Jahren nur noch auf Auktionen für Liebhaber gehandelt wird, ist sicher nicht nur eine Frage des Verkaufspreises, der Eckdaten und der Handhabung des gesamten Systems, sondern insbesondere auch der Akzeptanz und des Bedarfs der Endverbraucher. Laut Fuji war das Interesse an diesem System auf der photokina sehr groß. Wir wünschen Fuji viel Erfolg damit und freuen uns auf ausgereifte (Test)Produkte in 2009. (Fotos: Gordon Hölsken/www.digiklix.de)



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2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Stereo-Fan:

    Weiss jemand neueres zu der Kamera. Habe grosses Interesse daran, als Hobby-3D-Fotograf durchs Land zu ziehen.

  2. Redaktion Digiklix.de:

    @Stereo-Fan

    wir sind an der Kamera ebenfalls sehr interessiert und hatten vor einer Weile bei Fuji nachgefragt, wann mit einer Markteinführung zu rechnen, bzw. wie der Stand der Dinge, ist.

    Die Antwort war in etwa folgende:

    Einen Termin kann Fuji nicht nennen, allerdings versicherte man uns, dass die Weiterentwicklung im Gange ist und die ganze Geschichte keineswegs in einem Keller in Tokio verstaubt.

    Ich hoffe das es so ist und die Kamera Marktreife erlangt. (gh)

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