Fischaugenobjektive sind Spezialisten und daher teuer. Zwischen 600 € und mehr als 1000 € kosten die gängigen Modelle der Markenhersteller Nikon, Canon oder Sigma. Wer jedoch bereit ist kleine Abstriche beim Bedienungskomfort in Kauf zu nehmen, der kann in den Genuss des Fischaugen-Spaßes schon für weniger als 300 € einsteigen.
Die im Weißrussischen Minsk ansässige Firma BeLOMO produziert seit Jahren das MC PELENG f3.5/8mm Objektiv zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Leider können sie diese Optik vermutlich nicht beim Händler um die Ecke kaufen, auch sind Angebote im Internet rar. Die Neugier, ob eine derartige optische Konstruktion moderner Digitaltechnik gewachsen ist, veranlasste uns eines jener Objektive bei einem Ebay Händler zu erstehen.
Wenige Tage nach der Bezahlung erreichte unsere Redaktion ein ordentlich verpacktes Postpaket. Unter einer immensen Menge polsternden Verpackungsmaterials fanden wir einen kleinen Karton mit dem bestellten Objektiv. Aufdruck und Papierqualität des Kartons versprühte unverkennbaren osteuropäischen Charme. Darin, eine schlecht verarbeitete Objektivtasche, eine knappe Bedienungsanleitung und eine Garantiekarte (beides netterweise in englischer Sprache) und das erwartete Peleng. Einem Kartonaufdruck kann man in englischer Sprache folgende technische Details entnehmen:
| MC Peleng f3.5/8mm | |
|---|---|
| Brennweite | 8,1mm +/- 0,25 |
| Relative Blendenöffnung | 1:3,5 – 1:16 |
| Bildwinkel | 180° |
| Bildseitenverhältnis | 24×36mm |
| Auflösungsvermögen | Bildmitte 55mm / Bildrand 15mm |
| Min. Aufnahmedistanz | 0,3m |
| Vergrößerungsfaktor | 0,7 |
| Zerstreuungsfaktor | 0,03 |
| Abmessungen | 73×65,5mm |
| Gewicht | ca. 400 |
Alle Angaben ohne Gewähr
Anschluss gesucht
Das Peleng ist in der Standartausführung mit einem M42 Gewinde versehen. Die Adaption an unsere Nikon D300 erfolgt mittels eines mitgelieferten Bajonettadapters. Das Objektiv lässt sich auf diese Weise auch an Pentax-K, Canon EOS, Canon FD und Minolta (Sony) AF Bajonette anpassen.
Hinweis: Das Peleng Objektiv kann aufgrund seiner Bauart mehr oder weniger weit in das Kameragehäuse hineinragen. Benutzt man einen nicht auf das Objektiv abgestimmten Adapter, kann es passieren, dass der Schwingspiegel der Kamera beim Auslösen gegen die hintere Linse des Objektives schlägt und ihre Kamera dabei ernsthaft beschädigt wird! Aus diesem Grund empfehlen wir, Objektiv und Adapter zusammen zu bestellen. Im Zweifellsfalle fragen sie bitte beim Händler nach, ob die Obektiv-Adapter-Kombination mit ihrer Kamera fehlerfrei funktioniert. Lassen sie sich dies im Idealfall schriftlich bestätigen, unbedachte Experimente können sehr teuer werden.
Zierlich aber unerwartet schwer liegt das Peleng in der Hand. Der besagte Objektivadapter war schon vormontiert, Frontlinse und Kameraanschluß durch einen massiven Metalldeckel geschützt. Der direkt hinter der Frontlise liegende Blendenring rastet sauber ein, der nahe dem Kameraanschluß liegende Fokusring dreht sich butterweich. Komplett aus Metall sind der Objektivtubus und die Einstellringe gefertigt und zudem recht sauber verarbeitet. Angesichts der hier vorgefundenen mechanischen Verarbeitung dürften viele, im ferneren Osten gebauten und wesentlich teureren Objektive von Nikon, Canon, Sigma & Co., vor Neid erblassen. Hinter der Frontabdeckung Glas – eine Menge Glas, die Frontlinse reicht fast bis zum Objektivrand und ist stark nach außen gewölbt. Filter und Gegenlichtblende lassen sich bei dieser optischen Konstruktion natürlich nicht anbringen und trotz gesteigerter Vorsicht war unser Exemplar schnell mit einem fettig feuchten Fingerabdruck versehen. Entfernt man den Rückdeckel, so findet man einen nackten Nikonanschluss, eine rein mechanische Verbindung. Das Peleng muss manuell bedient werden, es gibt keinen Autofokus und auch die eingestellte Blende wird nicht übertragen. Auch hier ist bezüglich der Finger eine gewisse Vorsicht geboten, die kleine Rücklinse ragt ein Stück weit über das Anschlussbajonett hinaus und verschmutzt entsprechend schnell.
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