Probleme mit der Schärfentiefe
Bezogen auf Digitalkameras der Kompaktklasse kann eine zu hohe Schärfentiefe, die diese Modelle Bauart bedingt (kleiner Sensor) mit sich bringen, sogar zu einem Problem werden. Aus stilistischen Gründen will man oft den Hintergrund eines Fotos mit Absicht in Unschärfe erscheinen lassen bzw. wirklich nur den Bruchteil eines Fotos durch Schärfe betonen. Bei guten Lichtverhältnissen ist die Schärfentiefe der Kompakt-Modelle allerdings so gut, das dies nicht möglich ist und das Objekt von vorne bis hinten scharf abgebildet wird. Arbeitet man dagegen mit einer DSLR-Kamera, hat man mit der Schärfentiefe in der Regel immer zu „kämpfen“. Es ist so gut wie nie genug Licht vorhanden um die Schärfe im Nahbereich auszudehnen bzw. eine praktikable Zeit/Blenden Kombination zu wählen.
Ein großer Vorteil der digitalen Spiegelreflexkameras ist jedoch der, dass Sie die ISO-Einstellungen erhöhen können, um mehr Spielraum bei der Blenden- bzw. Zeiteinstellung zu erhalten. Bei den meisten modernen Kameras können Sie bedenkenlos ISO-Einstellungen um 400-800 ISO auswählen, ohne das, das gefürchtete Bildrauschen überhand nimmt. Dies ist bei Kompaktkameras nicht der Fall. Hier fällt das Rauschen in der Regel schon sehr störend ab etwa 200-400 ISO auf und kann ein Foto gänzlich unbrauchbar machen.
Einige Fotografen bevorzugen es im Makrobereich immer mit geöffneter Blende zu fotografiere, um nur einen minimalen Bereich des Fotos scharf abzubilden. Das ist sicher Geschmackssache führt aber beispielsweise in Fotocommunitys häufig dazu, das die Betrachter das Foto durchweg als unscharf deklarieren, weil sie es als Unscharf empfinden bzw. oft durch Makrofotos mit hoher Schärfentiefe aus Kompaktkameras „verwöhnt“ werden. Die Idee des Fotografen, die geringe Schärfe bewußt als Stilelement einzusetzen, wird häufig vom Betrachter nicht mehr „gesehen“.
Die Schärfe in den Griff bekommen
Der Autofokus kann im Nahbereich zu einem Problem werden. Üblicherweise liegen die Messzonen bei einem Autofokus-System in der Bildmitte sowie in der linken und rechten Bildhälfte, bei besseren Kameras auch noch oben und unten, sie bilden also ein Kreuz oder eine Ellipse. Je mehr Messpunkte vorhanden sind, desto besser kann der Autofokus normalerweise die richtige Entfernung einstellen. Im Bereich der Makrofotografie (übrigens auch im Tele-Bereich) können sich die Messfelder allerdings untereinander behindern.
Da wir uns bei der Makrofotografie in Bereichen von wenigen Zentimetern bewegen und das Autofokussystem es in diesem Nahbereich auch noch mit unterschiedlichen Entfernungen von zum Teil nur wenigen Millimetern zu tun bekommt, fährt der Fokus-Motor oft eine ganze Weile hin und her, weil sich das System nicht „entscheiden“ kann, worauf es nun scharf stellen soll. Bei vielen Kameras mit Mehrfeldmessung lassen sich die Messfelder einzeln abschalten, so das im Idealfall nur eines aktiviert bleibt. Steht bei günstigeren Modellen nur ein Messfeld zur Verfügung, muss der Punkt auf den scharf gestellt werden soll genau mittig anvisiert werden oder Sie behelfen sich mit einer Ersatzmessung.
Visieren Sie einen Punkt an, auf den sich das Autofokussystem ohne Probleme scharf einstellen kann und halten den Auslöser halb gedrückt, schwenken Sie nun auf das eigentliche Objekt um und korrigieren Sie die Schärfe, indem Sie den Abstand zum Objekt minimal verändern. Bewegen Sie Ihre Kamera also leicht vor oder zurück, bis Sie den richtigen Schärfepunkt gefunden haben.
Ein weiteres Problem mit dem Autofokussystem tritt auf, wenn Sie die Minimaldistanz der Kamera unterschreiten. In diesem Fall fährt das Fokussystem vom Makrobereich bis unendlich hin und her, ohne das Objekt scharf zu stellen. Hier hilft nur der Rückzug vom Objekt, entfernen Sie sich mit der Kamera Zentimeter für Zentimeter vom Motiv, bis das Autofokussystem seine Arbeit erledigen kann. Gleicher Effekt tritt auf, wenn die Umgebungshelligkeit nicht ausreicht. Wie bereits oben erwähnt, verzichten Sie im Nahbereich nach Möglichkeit auf das AF-System und stellen manuell scharf. Wollen Sie beispielsweise ein Insekt auf einer Blüte Fotografieren ist es auch bei einer DSLR-Kamera mit ausgeschalteten Autofokus praktikabel zunächst auf einen Blütenbereich scharf zustellen und die Schärfe dann durch das minimale vor bzw.- zurückbewegen vom Objekt zu regulieren. Ich lasse dabei auch schon einmal den Finger auf dem Auslöser, um einen „Glückstreffer“ zu erzielen.
Unzählige Motive im Makrobereich
Die Welt durch den Sucher oder das Display der Kamera betrachtet, bietet im Nahbereich unzählige Motive für den Fotografen. Angefangen bei Gegenständen, die sich in jedem Haushalt finden, ob z. B. Streichhölzer, Schrauben, Werkzeuge, Besteck u.s.w. bis hin zu Esswaren wie Obst
und Gemüse oder auch Gewürze, Brot und vieles mehr. Im Nahbereich betrachtet, eröffnet sich eine faszinierende Motivwelt. Hat man diese einmal ausgeschöpft und Erfahrungen im Nahbereich gesammelt, findet man in der freien Natur eine weitere schier unerschöpfliche Motivwelt. Allein ein Spaziergang im Wald eröffnet unzählige Möglichkeiten.
Hinzu kommen die Jahreszeiten, die sich in der Makrofotografie aus einem völlig neuen Blickwinke darstellen lassen. So bietet sich Herbstlaub genau so für Aufnahmen an, wie ein Eiszapfen im Winter. Einen besonderen Reiz, weil schon deutlich schwieriger zu realisieren, stellt die Fotografie von Insekten dar. Insbesondere flinke Vertreter dieser Gattung lassen sich nicht einfach in der gewünschten Position vor die Linse bekommen. Um so mehr wird man versuchen, hier gelungene Aufnahmen zu realisieren.
Natürlich lassen sich auch im Bereich der Makrofotografie z. B. Stillleben arrangieren. Sie können zudem zwischen nahen und sehr nahen Aufnahmen variieren. So kann z. B. die komplette Blüte einer Blume abgelichtet werden oder auch nur ein Teilbereich der Pflanze oder Blüte. Zudem kann es interessant sein, Dinge des alltäglichen Lebens so abzulichten, dass sie erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Setzen Sie Licht richtig ein und experimentieren Sie bei der Aufnahme mit den Einstellungen der Kamera, entstehen im Makrobereich faszinierende Bilder, die den Betrachter begeistern. (Text und Fotos Gordon Hölsken/www.digiklix.de)
Das Licht (sowohl Tageslicht als auch Blitz- und Kunstlicht) und die richtige Belichtungsmessung im Makrobereich, so wie weitere Grundlagen und Tipps werden die Themen des dritten und letzten Makro-Spezials auf www.digiklix.de sein.
Den ersten Teil unseres Makro-Spezial finden Sie hier.
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