Im ersten Teil unseres Makro-Spezials sind wir auf die „Hardware“, also auf Kameras, Objektive, Linsen und Konverter eingegangen, welche für die Makrofotografie benötigt werden. In diesem zweiten Teil wollen wir Ihnen die fotografische Praxis näher bringen und geben Ihnen Tipps und Tricks für gelungene Makrofotos.
Den ersten Teil unseres Makro-Spezial finden Sie hier.
Den dritten Teil unseres Makro-Spezial finden Sie hier.
Das schwierigste und wichtigste Unterfangen im Makrobereich ist es die Schärfe bzw. den Schärfepunkt in den Griff zu bekommen. Sie können sich beim Scharfstellen auf die Automatik (Autofokus) Ihrer Kamera verlassen, doch in der Regel erzielen Sie mit manuellen Einstellungen im Makrobereich die besseren Ergebnisse. Bietet Ihre Kamera die Möglichkeit der manuellen Scharfstellung an, nutzen Sie diese. Im Nahbereich reicht die kleinste Bewegung aus um vom gewünschten Schärfepunkt abzuweichen. Fast in jedem Lehrbuch wird daher ein Stativ für die Makrofotografie empfohlen, was durchaus sinnvoll ist. Ich persönlich schieße 90% meiner Makrofotos aus der Hand, weil mir der Einsatz eines Stativs oft zu umständlich ist.
Finger auf dem Abzug halten
Der größte Vorteil den eine Digitalkamera neben den technischen Gegebenheiten wie beispielsweise einer höheren Schärfentiefe (kleinere Sensoren) oder der Möglichkeit die Empfindlichkeit (ISO) zu erhöhen anbietet, ist der das Sie einfach auch einmal den Finger auf dem Abzug halten und eine ganze Fotoserie schießen können, ohne das dies etwas kostet. So kommen Sie auch ohne Stativ mit etwas Erfahrung und Übung zu guten Ergebnissen. Wobei es natürlich auch Situationen gibt, in denen man ohne Stativ kein scharfes Foto in den Kasten bekommt.
Hohe Ausschußrate auch bei Profis
Für den Einsteiger vielleicht tröstlich und ermutigend: auch Profis produzieren im Bereich der Makrofotografie viel Ausschuß! Das größte Problem im Nahbereich ist das Licht. Daran mangelt es fast immer. Zu wenig Licht zwingt den Fotografen bzw. die Kamera dazu, die Blende weiter zu öffnen, was wiederum zur Folge hat, das der Schärfebereich extrem klein ausfällt. Arbeitet man ohne Stativ, reicht eine kleine Bewegung nach vorne oder nach hinten aus und die Schärfe liegt nicht mehr dort, wo man sie eigentlich haben wollte. Arbeitet man mit Stativ, reicht leichter Wind aus, um das Motiv aus dem Schärfeberich zu bewegen. Im Bereich der Makrofotografie gilt es Geduld zu haben, viel zu experimentieren und hohe Ausschußraten einzukalkulieren.
Ein Anhaltspunkt aus meiner Makropraxis; wenn ich mit der Kamera in die „Wiese“ gehe um Insekten zu fotografieren, bin ich bereits zufrieden, wenn von etwa 200 Fotos eine Handvoll meinen persönlichen Ansprüchen genügen. Es gibt auch Tage, da schmeiße ich alle Fotos in den digitalen Mülleimer, weil für mich kein brauchbares Bild dabei war.
Die Schärfentiefe
Unter Schärfentiefe versteht man die Zone eines Bildes, innerhalb derer ein Motiv scharf abgebildet wird. Die Ausdehnung der Schärfentiefe hängt neben der Größe des Kamera-Sensors auch von der Aufnahmeentfernung, von der Brennweite des Objektivs und von der verwendeten Blende ab. Ein Objektiv kann ein Objekt immer nur in einer senkrechten Ebene absolut scharf zeichnen, davor und dahinter nicht mehr. In dieser Einstellebene, in unserem Fall die Fläche des Sensors, schneiden sich die Strahlen des Gegenstandes, auf den wir scharf eingestellt haben. Alle Strahlen, die von Gegenständen herrühren, die in einer größeren Entfernung liegen, schneiden sich in Ebenen, die dem Objektiv näher liegen als die Einstellebene. Strahlen von Gegenständen, die in geringerer Entfernung liegen, also der Bereich, um den es uns geht, schneiden sich in Ebenen, die hinter der Einstellebene liegen.
Veranschaulichen kann man das folgendermaßen; stellen Sie sich als Motiv mehrere punktförmige Lichtquellen vor die in einiger Entfernung hintereinander liegen. Eine scharfe Abbildung erhalten wir nur von der Lichtquelle auf die scharf eingestellt wird und deren Strahlen sich deshalb in der Sensor-Ebene schneiden. Von der Lichtquell davor und der dahinter gelegenen Lichtquelle entsteht ein mehr oder weniger großer Kreis, den man als Zerstreuungskreis/licht bezeichnet. Diese Zerstreuungskreise bestimmen in ihren Ausmaßen den Grad der Unschärfe der Abbildung. Durch das Abblenden wird das Ganze Strahlenbündel enger und die Zerstreuungskreise dementsprechend kleiner.
Je kleiner die Blende (die Blendezahl ist groß) desto höher fällt die Schärfentiefe aus. Je größer die Blende (die Blendenzahl ist klein) desto geringer fällt die Schärfentiefe aus (Bei einem Insekt sind z. B. nur die Augen scharf, oder auch nur der Saum einer Blüte).
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