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Polfilter in der Praxis

Der Praxiseinsatz eines Polfilter ist nicht unkompliziert, denn er kann nur in speziellen Situationen seine Wirkung voll entfalten und falsch eingesetzt, die Bildresultate auch negativ beeinflussen. Wie und wann Sie einen Polfilter optimal einsetzen, und wann Sie besser auf den Einsatz verzichten, erfahren Sie weiter unten in diesem Artikel. Im Folgenden geht es kurz um die Wirkungsweise des Filters.

aufbau_polfilter.jpg

Der Aufbau eines Polfilter. Eine Polarisationsfolie wird zwischen zwei Filtergläsern verkittet. Sowohl Folie, Gläser und die Verarbeitung sind ausschlaggebend für ein qualitativ hochwertiges Filter (siehe auch Polfilter nach Käsemann). (Quelle: Schneider-Kreuznach)

 


Funktionsweise

Licht breitet sich von der Quelle wellenförmig, senkrecht aus. Die Lichtteilchen (Photonen) können dabei in alle möglichen Richtungen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung schwingen. Man spricht von unpolarisiertem Licht. Ein Polfilter wirkt nun, stark vereinfacht ausgedrückt, wie ein Sieb, welches je nach Einstellung bestimmte Lichtteilchen passieren lässt und andere abblockt. In der Praxis wird das Polfilter an der drehbaren Fassung so eingestellt, dass es die vom Gegenstand reflektierten Strahlen aussiebt und die Reflexionen ganz oder teilweise aufhebt. Will man bei einer Landschaftsaufnahme die Kontraste verstärken und den Himmel tiefblau ablichten, dreht man das Filter ebenfalls so lange, bis sich der gewünschte Effekt einstellt. Beides lässt sich bei einer Spiegelreflexkamera recht gut durch den Sucher beurteilen. Etwas schwieriger ist es, die Auswirkung der Einstellung auf dem Display einer „normalen“ Digitalkamera zu beurteilen (dazu geben wir Ihnen später noch ein paar praktische Tipps).

Denkfehler

Ein Fehler bzw. ein Denkfehler wird im Umgang mit dem Polfilter sehr häufig gemacht. Gerade Anfänger gehen davon aus, dass das Filter einfach vor das Objektiv gesetzt wird und sich der gewünschte Effekt beim Fotografieren automatisch einstellt. Dem ist nicht so, denn es müssen bestimmte Bedingungen vorherrschen, damit das Filter seine Wirkung voll entfalten kann und es muss so gedreht werden, dass sich der gewünschte Effekt einstellt.

Ein fahlblauer bis weißer Himmel bspw. kann mit einem Polfilter nur geringfügig „abgedunkelt“ werden, da die Polarisationswirkung unter diesen Bedingungen sehr schwach ist. Ist der Himmel gelblichweiß, kann ein Polfilter keinerlei Wirkung mehr erzielen. Zudem wirkt sich auch Dunst und die Trübung der Atmosphäre nachteilig auf die Wirkung des Filters aus. Genauso ist eine entspiegelnde Wirkung zum einen vom vorhandenen Licht abhängig und zum anderen wird das bester Ergebnis nur dann erzielt, wenn der Aufnahmewinkel zur spiegelnden Fläche stimmt. Wunder darf man allerdings nicht erwarten. Je nach Gegebenheit lässt sich eine Spiegelungen nicht immer ganz entfernen, sondern oft nur mindern.

Bei Landschaftsaufnahmen bzw. bei Aufnahmen, in denen der Himmel mit einbezogen werden soll, ist der Polarisationsgrad vom Winkel zur Sonne abhängig. Steht die Sonne im Zenit, so ist der Himmel über dem Horizont stark polarisiert. Bei schrägstehender Sonne hat man die stärkste Wirkung des Polfilters zu erwarten, wenn das Licht seitlich (ca. 90 Grad) einfällt.

sommer_markus2.jpgDas sagt der Experte: Zirkulare-Polfilter für Digitalkameras

Bei Polfiltern werden zwei Ausführungen, linear und zirkular, angeboten, wobei die Wirkung prinzipiell vergleichbar ist. Für Digitalkameras wird grundsätzlich der Gebrauch von zirkularen Polfiltern empfohlen. Ein Zirkularfilter wird benötigt, wenn bei Kamerasystemen mit Innenlichtmessung das Licht über Spiegel und Strahlenteiler geleitet und damit zum Teil polarisiert wird, wie z.B. bei allen AF-Kameras. Mit linearen Filtern könnten dabei Fehlmessungen auftreten. Zirkulare-Polfilter sind zusätzlich mit einer Verzögerungsfolie bestückt. Das polarisierte Licht wird in eine Rotation versetzt und kann so ungehindert die Messsysteme passieren.

( Markus Sommer, Hama Vertriebsleitung Foto)


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10 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Bernd:

    Einer der umfassendsten und aufschlussreichsten Artikel, den ich im Netz zum Thema Polfilter gefunden habe und bei dem ich selbst als langjähriger Fotograf noch den einen oder anderen mir unbekannten Tip gefunden habe. Im allgemeinen eine wirklich gute Fotoseite, die ich da soeben entdeckt habe. Weiter so!

    Bernd Siering

  2. mentos:

    Kann ich mich nur anschließen, sehr aufschlussreiche Informationen zum Thema Polfilter.

    Grüße Micha

  3. Holger Falz:

    Bin gerade dabei,in das sehr umfangreiche Thema,Fotografie, einzusteigen.Habe ebenfalls heute Eure Seite entdeckt,da ich mich über Polfilter kundig machen wollte.Fand den Artikel sehr gut und für Neueinsteiger auch verständlich.Werde Euch in Zukunft bestimmt öfter besuchen.

    Grüße Holger Falz

  4. Jens:

    Hallo,

    meinen Vorrednern möchte ich mich anschließen: Der Artikel ist verständlich, sehr informativ und vor allem auf den Punkt gebracht.

    Habe mir vor kurzem eine Spiegelreflex-Kamera mit Polfilter gekauft und weiß nun umso besser, wie man einen solchen Filter richtig handhabt. Danke!

  5. Stephan:

    Der Artikel ist insgesamt sehr interessant und aufschlussreich.
    Zwei Sachen aber: “Der” Filter - nicht “das”
    und (tut dem Physiker fast schon weh) ein Photon schwingt nicht!
    Elektromagnetische Wellen sind keine schwingenden Photonen!
    Aber wie gesagt, den fototechnischen Informationsgehalt trübt das keineswegs!

  6. Redaktion Digiklix.de:

    @Stephan

    danke für den Kommentar!

    >>>“Der” Filter - nicht “das”< <<

    Der Duden sagt, dass es "der Filter" heißt, in technischen Bereichen aber meist "das Filter" benutzt wird. Ich denke es ist Auslegungssache, benutze aktuell aber auch meist "der Filter", weil es sich "besser" anhört.

    >>>(tut dem Physiker fast schon weh) ein Photon schwingt nicht!< <<

    Wie wäre denn die korrekte Aussage zu der angesprochenen Text-Passage von einem Physiker? (Hatte meine Infos dazu seinerzeit von Zeiss) Würde ich dann ggf. gerne korrigieren :)

    Gruß
    -gh

  7. Stephan:

    Eine elektromagnetische Welle ist eine Welle aus gekoppelten E- und B-Feldern, die sich ohne ein Trägermedium ausbreitet.
    Ginge man von schwingenden Lichtteilchen aus, würde das mit dieser Eigenschaft im Widerspruch stehen. Die Polarisation des Lichts ist also die Richtung der Schwingung des E-Feldes (und somit auch des senkrecht dazu angeordneten B-Feldes) und nicht der Photonen.
    Photonen kommen ins Spiel um bestimmte Eigenschaften von elektromagnetischen Wellen zu beschreiben.
    Man betrachtet dann Licht als von Photonen “zusammengesetzt”. Es bleiben aber trotzdem die Welleneigenschaften wie Interferenz bestehen (Welle-Teilchen-Dualismus).
    Einfach ein bisschen nachlesen. Es gibt genug Material darüber. Aber schwingende Photonen sind halt schlicht weg falsch, auch wenn die Inof von Zeiss kommt, da hat dann scheinbar einer im Studium nicht recht aufgepasst….
    Beim Filter hab ich jetzt auch nochmal nachgeschaut - da hab ich was gelernt - der Filter filtert Materielles, das Filter Immaterielles. In diesem Fall dann tatsächlich das.

  8. Redaktion Digiklix.de:

    ich werde versuchen es mir anzulesen ;) (gh)

  9. Stephan:

    Genau genommen ist´s ja eh egal ;)
    Das Prinzip is die eine Richtung der E-Feldschwingung wird durchgelassen die senkrecht dazu orientierte gesperrt. Und es schwingt eben der Feldvektor und keine Teilchen das reicht es zu wissen.

  10. Michael:

    Alles was ich über Polfilter wissen musste, habe ich wirklich hier gefunden. Ein großen Lob für diesen Beitrag, der mir sehr weiter geholfen hat und im allgemeinen ein Lob für Ihr Informationsangebot das ich nun in meinen Favoriten gespeichert habe.

    Michael

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